Karpfenangeln – Ein (a)soziales Hobby?

Beobachtungen der Szene von uns spezialisierten Anglern haben mir in den letzten Jahren viel Missgunst, Neid, Arroganz und Ablehnung gezeigt. Es wird schlecht geredet, Lügen verbreitet, Menschen für ihre Handlungen verurteilt und verunglimpft. Und das alles wegen Fischen.

DAS IDEALBILD EINES KARPFENANGLERS
Dieser Angler ist extrem erfolgreich. Er hat einen klaren Fokus. Er ärgert sich nicht über den veröffentlichten 50er bei Instagram, er fängt ihn einfach. Er lästert nicht, denn er ist in der Lage relativ wertfrei Daten und Fakten zu sammeln anstatt mit den Wölfen zu heulen. Er vergleicht sich nicht und bewertet die Fänge anderer nicht. Er versucht die Umstände zu verstehen, wieso andere Angler viele oder auch große Fische gefangen haben. Er hat keine Angst sich immer wieder auf Neues einzulassen. Er stellt sich nicht vertrauten Situationen und wächst daran. Dieser Angler scheut nicht die Niederlage oder eine Blankserie. Er weiß instinktiv aus den Fehlern zu lernen. Angeldruck und verbrannte Erde kennt er nicht. Er nimmt die Situation an, wie sie ist. Diese Person verlässt sich auf ihren Instinkt und fängt auch in vermeintlich schwierigen Szenarien. Erfahrungen, die er mit einzelnen Gewässern oder Fischen gesammelt hat, lässt er wiederkehren, um seine Angelei zu optimieren. Er lügt andere Angler nicht an, er schließt andere Angler nicht aus. Dieser Angler teilt gern sein Wissen mit Gleichgesinnten, wenn er fair und respektvoll behandelt wird.
Dieser Angler ist aber selten. Er war es früher schon und heute findet man noch weniger von ihnen.

KRANKE EIFERSUCHT
Ich selber stelle für mich fest, dass ich versuche diese positiven Eigenschaften für mich umzusetzen. Perfekt bin ich nicht und der Weg dahin ist wohl das Ziel.
Leider musste ich am eigenen Leib erfahren, wie es ist Neid, Missgunst, Arroganz und Lästereien zu erleben. Des Weiteren konnte ich an anderer Stelle beobachten, dass dieses Verhalten viele spezialisierte Angler trifft. Ich bin ehrlich, mich beschäftigt das immer mal wieder, weil ich ein sensibler Mensch bin und auch das Bedürfnis habe gemocht zu werden.
Dieses Verhalten unter Angler sprengt ganze Freundeskreise, grenzt Menschen aus, es werden Bekannt- wie Freundschaften geopfert, weil man anderen nichts gönnt. Vielleicht fangen sie besser, vielleicht haben sie andere Meinungen, vielleicht angeln sie anders. Daraus entstehen Probleme auf der Beziehungsebene oder auch Probleme struktureller Natur, wie Vereinsausschlüsse, Ablehnung von Aufnahmeanträgen.
Verbale Gewalt ist häufig im Spiel. Diese ist tiefgreifend und verletzend! Auch Sachbeschädigung kommt gelegentlich vor, platte Autoreifen, zerschlagene Scheiben oder wie bei Darrel Peck vor ein paar Jahren sogar ein abgebranntes Auto. Der ein oder andere Tacklediebstahl soll wahrscheinlich auch eher dazu dienen, Angler zu vertreiben als sich primär fremdes Gerät anzueignen. Ich könnte das so weiter aufzählen. Die Liste wäre sehr lang.

Karpfenangler werden Eigenbrötler
Zwei Ströme in der Szene kann ich in den letzten Jahren beobachten und beide bringen menschlich absurdes Verhalten, für mein persönliches Empfinden, zu Tage.

DER ISOLIERTE BIGFISCH-POOL ANGLER
Die erste Strömung sind die Angler, die vermeintliche Szenegewässer förmlich belagern. Ein paar große Fische sind bekannt und ein Großteil der lokalen Szene sitzt an diesem Wasser. Anstatt zusammen zu arbeiten, da ja alle das gleiche Ziel haben, wird sich zurückgezogen. Der andere Angler ist ein Feind und kein Freund. Es wird gelogen, schlecht geredet, Fänge abgewertet, auf fremden Futterplätzen geangelt. Jeglicher Respekt gegenüber anderen geht verloren und für was? Große Fische?!

Ich selber kann mich nicht davon frei machen solche Gewässer zu beangeln, wenn mich dort der Bestand reizt. Ich tauche aber nur unter der Woche auf und versuche mich unsichtbar zu machen. Dann bist du ja genauso ein Angler, der mit den anderen nichts zu tun haben will? Dieses beschriebene Bild vom Szene-Bigfisch-Pool kann ich in jede Region des Landes kopieren. Das Verhalten der Angler untereinander wird sich immer gleichen.

MEIN ANGESTERBTER WEG
Seit Jahren vertrete ich die Meinung, wenn alle offen und ehrlich über große Fische und die Gewässer sprechen würden, wären ein paar wenige Gewässer nicht so belagert. Die Angler würden sich verteilen und es gäbe weniger Missgunst und Neid. Für diese Meinung werde ich aber häufiger angefeindet. Ich sage auch jedem ehrlich, was ich über ein Gewässer weiß, wenn er mich danach fragt. Ich gehe nicht hausieren mit Informationen aber ich teile sie. Ich freue mich, wenn ich von einem Fang eines großen Fisch höre, für den Fänger, den Verein und die Region. Denn eine Vielfalt an Gewässern mit guten Fischen schafft allen Anglern Möglichkeiten. Ich bin der Auffassung, jeder sollte die Chance haben einen tollen Fisch zu fangen. Kreuzt er dabei meinen Weg an einem Wasser ist er nicht notgedrungen ein Konkurrent. Vielmehr sehe ich ihn als Gefährten, der für eine gewisse Phase in meinem Leben ein gleiches Ziel verfolgt – einen Fisch im selben Gewässer zu fangen. Der Versuch jedem offen zu begegnen, gelingt mir auch nicht immer aber ich verschließe mich nicht kategorisch. Ich möchte dazu anregen, den Mut zu haben diesen Kreislauf zu durchbrechen. Seht keine Konkurrenten oder gar Feinde in andern Anglern. Haltet zusammen, tauscht euch aus und ihr werdet sicherlich deutlich einfacher zum Ziel zu kommen.

DIE PACHTGANGS
Die zweite Strömung, die ich beobachte sind Pachtgemeinschaften. Ganze Gruppen spezialisierter Angler tun sich zusammen, um Gewässer zu pachten. Sie schirmen sich dort ab und lassen sich selten von anderen Anglern in die Karten schauen. Entweder haben Sie schon ein Gewässer mit großen Fischen und möchten diese für eine lange Zeit nur für sich haben. Oder sie versuchen sich einen Fischbestand aufzubauen in ihrem Gewässer. Wo die Fische dafür dann herkommen steht dann auch noch auf einem ganz anderem Blatt Papier. Denn nicht alle Gemeinschaften haben die Geduld zu warten bis Ihre besetzten Fische abwachsen. Selten bekommen andere Angler die Chance solche Privatseen zu befischen. Den sozialen Aspekt mit einem Freundeskreis, in einem vertrauten Umfeld zu fischen kann ich verstehen. Sich den heiß umkämpften Szenegewässern zu entziehen und in Ruhe ohne Stress zu fischen ist häufig der Antrieb dahinter. Oft entstehen so kleine Paradiese inmitten unseres Landes.

BERTRIEBSBLINDE EGOISTEN
Der Umstand, dass diese Gewässer nicht für jedermann zugänglich sind erhöht aber den Druck auf das nächst gelegene öffentliche Gewässer mit großen Fischen. Denn irgendwo möchten schließlich auch andere Angler gerne einen großen Fisch fangen. Aber gerade dieser Angeldruck ist es, der die Gemeinschaft veranlasst hat sich zurück zu ziehen an ihren Privatsee. Teilweise wird das Handeln und Tun anderer außerhalb der Gemeinschaft stehender Angler bewertet, abgewertet und diese verurteilt. Da schließt sich dann wieder der Kreis und wir sind bei Neid, Missgunst, Arroganz und Ablehnung. Ich wünsche jedem das Glück was er sucht beim Angeln zu finden, doch gönne “DU“ es den andern Anglern auch.

DIVERSITÄT BELEBT DAS HOBBY
Die Menschen sind verschieden und somit auch Ihre Ziele und ihre Definition von Glück. Christopher Paschmanns schrieb in seinem neuem Buch die Worte: ,,lernen statt lästern“. Last uns Angler wieder Fairness und Respekt lernen. Wünschenswert ist es, dass die Angler aus den vielen Pachtgemeinschaften über ihren Tellerrand gucken und sich der Diversität der Gewässer und Angler stellen. Die Gefahr an seinem eigenen Gewässer betriebsblind zu werden und immer wieder denselben Angelstil zu pflegen ist doch recht hoch. Wer dies bewusst wählt und wen es erfüllt, dem wünsche ich dabei alles Glück der Welt.
Vor zwei Jahre musste ich feststellen, wie ein Angler durch ein solches Gewässer einfach „stehen geblieben“ ist.

“ALIEN TRIFFT HÖHLENMENSCH”
In diesem genauen Fall traf ich einen alten Gefährten aus vergangen Tagen. Wir begegneten uns durch Zufall an einem Gewässer wieder. Als ich mit meinen Distanzsticks Ruten ablängte und dann punktgenau mit der Spomb darauf fütterte, guckte er mich an als sei ich ein Alien. Er fragte mich, was ich da mache und was das sei? Der Kollege hatte in den letzten zehn Jahren nix anders gemacht, als mit dem Boot an seiner Pachtgemeinschaft, seine Montagen in ein Krautloch zu legen. Die Krautlöcher hatten sogar Namen und die obligatorische handvoll Boilies wurde dazu geworfen. Dieser Mensch war seit über 20 Jahren Karpfenangler und kannte im Jahr 2017 keine Distanzsticks. Ich verurteile das nicht! Ich war einfach nur verwundert.
Lebt unser Hobby doch vielfältig und nutzt die Chance andere Gewässer zu befischen, andere Menschen zu treffen und sich durch die Abwechslung zu entwickeln. Ihr werdet als Mensch und Angler wachsen.

Ich habe die Moral nicht erfunden und werde auch nicht immer alles richtig machen. Es wäre einfach nur schön, wenn der eine oder andere von Euch einmal darüber nachdenkt, wie er mit andern Anglern umgeht. Vielleicht kommt ihr für euch zu dem Ergebnis, dass ihr alles richtig macht. Dann bewahrt euch eure Offenheit für andere! Denn die Auffassung unseres Hobbies ist bei jedem anders und das ist auch gut so!!

Ich freue mich darauf euch zu begegnen, ob am Wasser, auf einer Messe oder in einem andern Kontext.

Bleibt hart am Fisch
Chris

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