Die polnische Krauthölle

Karpfenangeln am Paylake auf die harte Tour

Hallo liebe Freunde, bevor ich meinen Bericht beginne, möchte ich mich zuerst vorstellen. Ich bin der Matze, 52 Jahre alt, wohne im schönen Bundesland Brandenburg und fische seit Februar für die italienische Firma FBI Baits.

Des Weiteren möchte ich mich bei Karsten bedanken, dass ich hier im Blog etwas schreiben darf – DANKE Karsten! Ich habe mir für diesen Bericht ein kontroverses Thema ausgesucht und zwar die Angelei an einem sogenannten Paylake. Dass die Fische einem hier aber wirklich nicht immer in den Kescher springen, musste ich am eigenen Leib erfahren. Davon möchte ich euch gerne berichten.

Schreckensmeldung gleich zu Beginn

Wie jedes Jahr, habe ich auch im letzten Jahr, mit meinen Freunden Markus und Biene, einen Auslandstrip geplant. Dieses Mal sollte es an ein kommerzielles Gewässer nach Polen gehen.

Jetzt werden bestimmt viele die Stirn runzeln aber auch an einem Paylake muss man den Fisch erst einmal überlisten.

Nach kurzer Recherche buchte ich online, überwies die geforderte Anzahlung und erhielt auch prompt eine Bestätigung über die Buchung der getätigten Anzahlung. Im Nachhinein hätte ich mir vielleicht lieber den Termin bestätigen lassen sollen als die Anzahlung!

Irgendwie hatte ich nämlich die gesamte Zeit, von Februar bis August, ein komisches Gefühl und nahm noch einmal telefonisch Kontakt mit Polen auf, woraufhin man mir sagte: „Sie sind doch ab heute, dem 30.8. am See, für 4 Tage“. Mir wurde ganz komisch, denn unser Trip sollte erst am 15.9. starten! Ihr könnt euch sicher vorstellen, was in mir vorging! Die pure Angst stieg in mir auf. Wahrscheinlich würde es jetzt so kurzfristig gar keine freien Plätze mehr geben, im von uns ursprünglich geplanten Zeitraum. Nach mehreren Telefonaten mit Polen und meinen Freunden, konnten wir letztlich doch noch umbuchen und zwei Stellen, für die geplante Zeit, ergattern.

Bevor es losging, recherchierten wir und holten uns Infos über das Gewässer ein. Maik Guttmann war uns dabei eine sehr große Hilfe. Am 15.9. ging es dann endlich und gut vorbereitet gen Osten, Richtung Polen.

Wegen diesen Momenten macht man sich auf den Weg.

Ein See voller Kraut

Am See angekommen, erwartete uns eine Krauthölle! Markus und ich hatten bisher noch nie an solch einem verkrauteten Gewässer gefischt. Nachdem wir unser Camp und Tackle aufgebaut hatten, verschafften wir uns einen Überblick und suchten nach geeigneten Spots. In ca. 70 m Entfernung fande ich zwei schöne Krautlöcher mit recht großen Sandflächen. Ich wusste sofort, das sind meine Spots. Die Ruten wurden klargemacht, die Rigs beködert. Ich entschied mich für einen 20er Wafter „Scopex“ und die andere Montage beköderte ich mit einem einzelnen 16er Sinker „Spice“.

Überall nur Kraut!

Die Montagen wurden dann auf den jeweiligen Stellen, auf einer Wassertiefe von ca. 1,5 bis 2 m abgelegt und mit zwei Händen voll Boilies nachgefüttert.

Wie an jedem ersten Abend unterhielten wir uns über das, was eventuell passieren wird, gaben unsere ersten Gedanken zum Gewässer preis und tranken auf den „Karpfengott“. Die erste Nacht blieb sehr ruhig, es passierte nichts, die Bissanzeiger blieben stumm!

Am nächsten Morgen, bei bestem Wetter, kontrollierten wir unsere Spots und stellten beide, unabhängig voneinander fest, dass diese bis auf unsere Hakenköder völlig leergeräumt waren!

Okay, die Fische waren zu mindestens schon einmal da. Die Ruten wurden neu beködert und ausgelegt. Am Nachmittag wechselte der Wind und trieb damit das ganze abgestorbene Kraut in unsere Richtung. Es dauerte nicht lange und alle Ruten fingen nach und nach an zu piepsen. Es blieb uns nichts anderes übrig, wir mussten sie mit dem Boot einholen. Es gab kaum ein Vorankommen. Die Paddel und die Schnüre mussten ständig vom Kraut befreit werden, bis man endlich am Spot angekommen war.

Ich benötigte pro Rute ca. 1 ½ Stunden. Es war einfach nur zum „KO….“.

Am nächsten Tag war keine Besserung in Sicht, der Wind wollte einfach nicht drehen.

Dafür kippte die Stimmung so langsam aber sicher und wurde von Tag zu Tag schlechter. Das ständige Einholen und Entkrauten der Ruten zehrte an den Kräften und deprimierte uns. Die Fische müssen sich sehr gefreut haben, denn die Spots waren jedes Mal leergeräumt.

Taktik und Präsentation

Sämtlicher Schnickschnack, wie Schlagschnur, Leadcore, Inline-Montagen wurden entfernt, damit nur wenig Kraut an Hauptschnur und Montage hängen blieb. Ich verwendete lediglich einen Safetyclip und montierte daran eine Steinmontage, welche beim Anhieb abreißen sollte.

Egal, was ich für Köderpräsentationen anbot, die Fische ignorierten meine Hakenköder völlig. Daher versuchte ich das Gewässer zu lesen und machte mich auf die Suche nach der natürlichen Nahrung.

Im dichten Kraut entdeckte ich immer wieder Schnecken verschiedenster Arten und so war mir klar, wie ich doch noch zum Fischen kommen könnte. Sehr unauffällig sollte es sein und eben der natürlichen Nahrung möglichst gleichen.

Der fünfte Tag lag vor uns und das Ende unseres Urlaubs rückte immer näher. So entschied ich mich, es mal mit einer Schneckenmontage zu versuchen. Zu verlieren gab es ja nichts. Zusätzlich fütterte ich eine Handvoll zerteilter Isotech Boilies mit Stick Mix, im PVA-Netz.

Die zweite Montage bestückte ich mit einem einzelnen 14mm Red Demon Hookbait und legte die Montagen wie gehabt auf den Sandflecken ab.

Diese Montage sollte es richten.

Mühe wird belohnt

Der Plan ging auf und der erste Pole lag auf der Matte.

Mitten in der Nacht, ich glaube es war gegen 2:30 Uhr, vernahm ich ein bekanntes Piepen aus meinem Receiver. Mein Hund Charly und ich schreckten auf. Gemeinsam rannten wir zu den Ruten. Ich setzte bei der „Schnecken-Rute” den Anhieb und ja, ich merkte Widerstand. Markus war nun ebenfalls an den Ruten, leinte den aufgeregten Charly an und war mir behilflich beim Ablegen mit dem Boot. Es dauerte eine ganze Weile, bis ich endlich über dem Fisch war. Das Kraut machte es mir nicht leicht. Nach einer gefühlten Ewigkeit und einem relativ kurzen Drill, konnte ich ihn dann aber sprichwörtlich aus dem Kraut puhlen und über den Kescherrand führen.

„YEAH“ halte es über den See und der erste Pole war genetzt.

Nach den ganzen Strapazen war es endlich geschafft und wir konnten doch noch einen Fisch überlisten. Vergessen waren die Tage davor, der Wind, das Kraut, die depressive Stimmung. Es zählte nur noch der Fisch und, dass die Taktik aufgegangen war.

Gegen 04:00 Uhr konnte Markus ebenfalls seinen ersten Polen überlisten. Beide waren wir mega happy und freuten uns, dass jeder einen tollen Fisch fangen konnte.

Beim Frühstück ließen wir alles noch einmal Revue passieren, doch schnell war uns klar, diesen See würden wir, trotz aller Anstrengungen, wieder besuchen.

Von der Euphorie immer noch beflügelt, genehmigte ich mir nach dem Frühstück eine Dusche und wackelte dann zurück zum Camp. Auf dem Weg hörte ich plötzlich meinen Bissi aufheulen und nahm die Beine in die Hand.

Frühstück und dann wieder Ruten entkrauten.
Unverhofft kommt oft - "YES, Baby!"

Doch mein Freund Markus setzte bereits den Anschlag für mich und übergab mir im Anschluss die Rute. Ich sprang ins Boot und fuhr in Richtung Spot. Diesmal wurde ich nicht am Spot erwartet, sondern mein Gegner war wesentlich agiler und versuchte die Flucht über das Kraut. Nach einem längeren Drill und etlichen Metern quer über den See, gelang es mir letztlich auch diesen Fisch sicher zu landen. Für mich war der Trip nun endgültig ein voller Erfolg! Markus konnte auch noch einen zweiten schönen Fisch auf die Matte legen.

Eine besondere Angelei

Auch wenn Paylakes keinen sonderlich guten Ruf haben, besitzen sie für mich doch ihren ganz eigenen Reiz. Wie dieser Trip gezeigt hat, sind die Fisch gewieft und haben so einiges auf dem Kasten, um dem Haken zu entgehen. Mit 0815 kommt man da nicht weit.

Die Annehmlichkeiten einer Dusche und überdachten Toilette, kann man sich ja von Zeit zu Zeit auch mal gönnen.

Auch dieses Jahr haben wir wieder einen Trip geplant und wenn alles klappt, werde ich euch ja vielleicht wieder etwas berichten können.

Bis bald…

Euer Matze

 

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