Interessant, spannend, lehrreich,…

Wie schreibe ich einen guten Bericht über meine Angelei?

Seit einiger Zeit schreibe ich ja nun schon für vielerlei Formate. Seien es Printmedien, Onlinezeitschriften, Kolumnen oder nun auch Blogs. Viele trauen sich gar nicht an die Schreiberei heran und gehen von vornherein davon aus, dass sie so etwas nicht können. Und ja, sicherlich muss man einige Dinge beachten, um einen guten Artikel zu verfassen, aber das kann man alles lernen. Übung macht den Meister und wenn du wissen willst, was einen guten Artikel von 0815 unterscheidet, dann lese diesen Blogbeitrag.

Für alle, die mich nicht kennen, ich bin Karsten Neumann, begeisterter Karpfenangler, Koch, studierter Biologe, Hobbyautor und Begründer von Taste of Nature.

Mein erstes Cover

Das Thema

Man muss das Rad nicht neu erfinden!

Bevor du dich ans Schreiben machst, brauchst du natürlich ein Thema. Bei unserem Hobby grundsätzlich erst einmal kein Problem. Es gibt aber unendliche Möglichkeiten und darin liegt für viele die Schwierigkeit. Von selbst versteht es sich natürlich, dass du nur über Themen schreiben solltest, mit denen du dich auch wirklich auskennst und zu denen du eine Meinung hast. Auch ist es hilfreich, wenn du quasi als Experte dem Leser später Tipps geben kannst, die deinen Artikel dann ungemein aufwerten.

Ich persönlich versuche das Rad nicht neu zu erfinden. Geschrieben wurde wahrscheinlich über alles schon einmal und mit Sicherheit kenne ich auch nicht alle Artikel, doch viele beleuchten nur wenige Punkte einer Materie. Das bietet Raum für dich, eine andere Sichtweise zu schildern. Und selbst wenn ein Thema abgegrast scheint, niemand hat es aus deiner Sicht behandelt und dein Wissen eingebracht. Wenn du es schaffst, einen Artikel zu deinem zu machen, ihn mit Infos spickst und/oder dein Herzblut für die Angelei zu spüren ist, wird der Leser es auch nicht leid, deinen Worten zu folgen.

Die Vorgehensweise

Wenn wir davon ausgehen, dass du über ein Thema schreiben möchtest, mit dem du dich sehr gut auskennst, bedarf es vorher natürlich keiner Recherchearbeit. Anders ist es bei theoretischen Themen, bei denen es um Zahlen und Fakten geht. Hier sollte man die Quellen genau kennen, angeben und miteinander vergleichen. Aber bleiben wir mal beim, ich sag jetzt mal „Standard“-Angelbericht.

Ein paar Tage reift die Idee in meinem Kopf, bevor ich mich an den Rechner setze. Dabei überlege ich mir die grobe Struktur, denke über mögliche Überschriften nach und sammle Schlagworte, die eine Rollen spielen sollen. Außerdem überlege ich mir immer, was der Schwerpunkt meines Artikels sein soll und was der Leser im besten Fall lernen kann.

Beispiel: Du kannst über eine Session schreiben, fängst vorne an, z.B. wie du zum See gefahren bist, handelst dann Tag für Tag und Fisch für Fisch ab, bis du schließlich abbaust, sagst wie toll alles war und fertig.

Oder: Du setzt Schwerpunkte, wie z.B. deine Futtertaktik und baust die Erlebnisse des Trips drum herum. Highlightest besondere Erlebnisse und berichtest von Details, die man sonst übersieht.

Letztlich hast du auch von deiner Session berichtet, hast es aber nicht nach dem: „Ich kam, sah und siegte-Prinzip“ abgehandelt. Du hast dich einfach weniger selbst gefeiert, sondern darauf Wert gelegt, dass der Leser etwas aus deinen Worten mitnehmen kann. Leute, die alles wissen, gibt es natürlich auch immer.

Erst dann setze ich mich hin und beginne mit dem Schreiben. Durch die Vorüberlegungen geht es dann bei mir immer recht zügig. Ich schreibe hintereinander weg und achte darauf den Text gleich in Sinneinheiten zu unterteilen, die ich dann manchmal auch erst später mit prägnanten Zwischenüberschriften headline. Wo wir auch schon beim nächsten Thema wären.

Vor dem Schreiben muss der grobe Plan stehen.

Überschriften...

…sind wichtiger als man zunächst glaubt. Sie sollen Lust machen die folgenden Zeilen zu lesen, Spannung erzeugen, den Inhalt wiederspiegeln und nicht zu lang sein. Dann lieber einen Untertitel vergeben.

Bsp.: „Der Groundtester“ oder

„Der Sache auf den Grund gegangen – Der Groundtester im Praxiseinsatz“

   „Bootskarpfenangeln an großen Naturseen“ oder

„Perspektivwechsel – Wenn das Bivy plötzlich auf dem Wasser steh”

„Herbstsession am Baggersee“ oder

„Futter und tiefe Gumpen – Baggerseemärchen im Spätherbst“

Entscheide selbst bei welcher Überschrift du mehr Lust hättest den Artikel zu lesen.

Überschriften und Titelbild = erster Eindruck

Neben der Hauptüberschrift (Headlines) gibt es aber in einem guten Artikel noch mehrere Zwischenüberschriften (Sublines). Diese unterteilen den Text in sinnvolle Untereinheiten, die es dem Leser ermöglichen auf einen Blick grob den Inhalt und dessen Relevanz einzuschätzen. Wenn jemand z.B. meint bereits alles über Überschriften zu wissen, kann er so diesen Abschnitt überspringen. Die Aufgaben der Zwischenüberschriften unterscheidet sich jedoch ansonsten kaum von denen der Schlagzeile.

Gliederung von Texten…

…ist unerlässlich. Niemand möchte einen langen Fließtext lesen. Das liegt zum einen daran, dass man schnell durcheinanderkommt, weil jede Zeile gleich aussieht und man sich extrem konzentrieren muss, zum anderen wird der Spannungsbogen geformt und wächst langsam aber stetig bis zum Höhepunkt an.

An den Anfang eines jeden Artikels gehören allerdings immer 3-5 Sätze in denen du kurz beschreibst worum es in dem Bericht überhaupt geht, eventuell auch wer du bist oder du ein passendes Zitat als Opener verwendest. Diese Zeilen sind der erste Eindruck und der kann bekanntermaßen alles entscheiden. Gebe dir hier also besonders Mühe.

Danach folgen Einleitung, Hauptteil und Schluss. Die Aufgaben dürften vielen klar sein:

Lange Fließtexte will niemand lesen.

Einleitung =  Hinführung zum Thema, Vorstellung handelnder Personen, Zusammenhang 

             schaffen, Interesse wecken, …

Hauptteil =  Höhepunkt des Geschehens, Vermittlung der wichtigsten Informationen, …

Schluss=     Zusammenfassung, Fazit, eigene Meinung zum Thema, Verabschiedung,

             Danksagungen, …

Auch bei Aufzählungen, wie z.B. 5 Tipps zum…, sollte man den „Übertipp“ nicht gleich als Punkt 1. raushauen. Auch hier gilt vom Allgemeinen zum Spezifischen.

Die Feinheiten

Nachdem nun das grobe Gerüst steht, lese ich den Bericht immer noch einmal komplett und beseitige die gröbsten Fehler. Fehlende Worte, grobe Korrekturen der Rechtschreibung, was mir eben so auffällt und mache mich dann daran den Text noch etwas auszuschmücken.

Auf die Details kommt es an.

Mir fällt immer wieder auf, dass gerade „Anfänger“ die interessanten Sachen viel zu kurz und oberflächlich abhandeln. Sie sind es aber, die die Stimmung vermitteln, Emotionen wecken und die Aufmerksamkeit des Lesers aufrechterhalten. Oft passiert das wahrscheinlich aus Unwissenheit oder dem Gefühl, „…ist doch klar was ich meine.“ Aber das ist eben oft nicht der Fall. Woher soll der Leser z.B. wissen, welche Rigs du fischst, wenn du schreibst: „Ich fische meistens meine beiden Standardrigs.“ Erzähle ihm davon! Worum handelt es sich genau, warum setzt du diese ein und vor allem wann. Erkläre vielleicht auch, wie du sie bindest und welche Materialien du dafür nutzt.

Wenn du von erlebten Abenteuern sprichst, nenne ein Beispiel! Welches ist dir besonders in Erinnerung geblieben und versuche die Emotionen zu vermitteln. Dies kannst du z.B. mit wörtlichen Reden erreichen oder in dem du die Situation und ihre äußeren Gegebenheiten so genau wie möglich beschreibst.

Welche Farbe hatte der Himmel, war es warm oder kalt, wie hörte sich der Regen an, was schoss dir in diesem Moment durch den Kopf, hattest du einen Adrenalinausstoß und wodurch wurde dieser hervorgerufen, was sagte dein Kumpel in diesem Moment zu dir, und, und, und, und.

Die Möglichkeiten sind unendlich, nutze sie, übertreibe es aber nicht. Diese stilistischen Mittel sollen Highlights darstellen, mit denen du nicht um dich werfen solltest. Setzt du sie ein, sollte es an Stellen sein, die es wert sind und die zur Kernaussage deines Themas gehören.

Diese Szenerie in Worten zu beschreiben ist nicht leicht.

Korrektur lesen,…

…mache ich zum Anfang natürlich erst einmal selbst. Es kann helfen, wenn du dir den Text laut vorliest. Beim leisen Lesen überliest man oft Fehler, weil man ja weiß was man eigentlich schreiben wollte.

Ohne Korrekturlesen geht es nicht!

Danach bitte ich Freunde oder Familie den Text noch einmal Korrektur zu lesen. Ich habe so meine Probleme mit der Kommasetzung und ich werde es wohl auch nicht mehr lernen. Darum hole ich mir Hilfe. Auch ist es eine gute Möglichkeit noch einmal eine andere Meinung zu bekommen. Du kannst den Text auch drei Kumpels geben und jedem eine andere Aufgabe stellen. Der Eine soll auf die Rechtschreibung schauen, der Zweite soll darauf achten, ob der rote Faden sinnvoll und vorhanden ist und der Dritte im Bunde legt sein Augenmerk darauf, dir zu sagen, ob du das Thema deines Artikels getroffen hast oder ob ihm am Ende noch Informationen gefehlt haben. Diese Punkte kannst du natürlich je nach Bedarf anpassen.

Wichtig ist nur, dass du Korrektur liest oder lesen lässt. Nichts ist peinlicher als einen Artikel zurück geschickt zu bekommen, weil die Hälfte fehlt oder die Rechtschreibung grottig ist.

Häufige Fehler sind:

1. Falsche Rechtschreibung (Substantivierung, Groß-/Kleinschreibung, D oder T)

2. Falsche Grammatik (dem/den, Zeitformenwechsel im Text)

3. Falscher Satzbau oder lange Schachtelsätze

4. Wenn man „Zum einen“ schreibt, gehört dazu immer auch „Zum anderen“

5. Zahlen bis 12 werden ausgeschrieben

6. …, dass/das …

7. Ständige Wortwiederholungen in aufeinanderfolgenden Sätzen

Hilfreiches Tool das ich oft nutze.

Tipp:
Ich nutze bei Rechtschreibproblemen gerne die Sprachsteuerung meines Smartphones und spreche das Wort einfach bei Google ein, dann sehe ich wie Google es schreibt und muss nicht lange im Duden suchen.

Die richtigen Bilder...

…sind vielleicht noch wichtiger als der Text selbst. Viele Zeitschriften und Onlinemedien verschaffen sich über die Bilder den ersten Eindruck, wenn die schon nicht überzeugen, lesen viele den Text gar nicht erst. Der Mensch ist visuell geprägt, schließlich hältst du ja bei Facebook auch eher beim Scrollen an, wenn dich ein Bild anspricht. Texte überfliegen die Meisten nur noch. Aus diesem Grund müssen die Bilder gut gemacht und aussagekräftig sein.

Jeder Artikel braucht mehrere Bilder, die das geschriebene Wort unterstützen. Als erstes benötigt man ein Headliner Bild. Gerade für Blogs wie diesem eine wichtige Sache. Zusammen mit der Schlagzeile formt dieses Bild den ersten Eindruck. Das Thema des Textes sollte also deutlich abgebildet sein.

Außerdem können Bilder deinen Text unterstützen und zum Beispiel das Equipment vorstellen, die Weite des Großgewässers darstellen oder zeigen, wie schön der Sonnenuntergang wirklich war. Vielen fehlt da vielleicht sonst auch einfach die Vorstellungskraft.

Text und Bild müssen eine Symbiose ergeben und der Eine muss das liefern, was der Andere nicht liefern kann.

Als groben Richtwert sollte man mindestens zwei Bilder pro Textabschnitt einplanen, plus Headliner, plus ein bis zwei Bilder Reserve.

Ausreichend Bilder sind das A und O.

Am Ende kann ich dir noch den Tipp geben, den Text ein paar Tage liegen zu lassen und mit etwas Abstand noch einmal darüber zu schauen. Oft fallen einem dann Dinge auf, die man vorher nicht bemerkt hat.

Das wirkt jetzt sicher alles mega kompliziert und verschreckt den einen oder anderen vielleicht auch etwas. Letztlich geht es aber auch nicht darum alles sofort perfekt zu machen, sondern mit seinen Projekten zu wachsen und von Bericht zu Bericht ein bisschen besser zu werden.

Ein oder zwei Sprichwörter bzw. Redewendungen kann man auch immer gut einbauen, darum mach ich das jetzt mal und sage dir:

„Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.“

BITTE GEBT FEEDBACK!!!

Wenn Schreiben jetzt immer noch nichts für dich ist, kann ich dich nur noch darum bitten, denen die es tun und dich damit versuchen zu unterhalten, konstruktives Feedback zu geben. Davon bekommt man nämlich viel zu wenig. Doch ohne freundliche Ratschläge von außen, ist es schwer zu wachsen und besser zu werden.

Allen, die sich mal versuchen wollen, oder es schon tun, kann ich nur dazu ermutigen kein 0815-Artikel zu schreiben. Legt Wert auf Mehrgewinn für den Leser und versucht spannenden Content zu produzieren. Dafür braucht es meist mindestens 1000 Wörter.

In diesem Sinne…viel Spaß beim Niederschreiben deiner Erlebnisse. Vielleicht ja auch bald schon mal für den Taste Of Nature – Community Blog. Ich würde mich freuen von dir zu hören!

Unter dem Reiter “Publikationen” findest du die Ausgaben der verschiedenen Formate, in denen ich etwas zum Besten gegeben habe.

(Leider noch nicht vollständig)

Karsten Neumann

Bildquellen

Schreibmaschine:
Photo by rawpixel.com from Pexels (https://www.pexels.com/de-de/foto/arbeiten-arbeitsplatz-ausrustung-autor-1262972/)
Photo by Suzy Hazelwood from Pexels (https://www.pexels.com/de-de/foto/liste-planen-planung-schreiben-1750268/)
Buch:
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Feedback:
(https://www.pexels.com/de-de/foto/feedback-handschrift-klassenzimmer-kreide-533425/)
 

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Super Anleitung, wie man interessant über die Angelei berichten kann.
    Bleibt nur noch die Frage übrig, wie bzw. wo man die Texte auch publizieren kann 🙂

    Zusammengefasst ist folgender Absatz am wertvollsten:
    “.. überlege ich mir die grobe Struktur, denke über mögliche Überschriften nach und sammle Schlagworte, die eine Rollen spielen sollen. Außerdem überlege ich mir immer, was der Schwerpunkt meines Artikels sein soll und was der Leser im besten Fall lernen kann.”

  2. Hey Thomas,
    danke dir für dein Feedback. Wenn du ein paar Ideen benötigst, wo du deine Texte publizieren kannst, meld dich gerne bei mir. 😉

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