Boilies selber rollen – Qualität statt Einheitsbrei

Viel Arbeit für 0815
In den letzten Jahren war ich sehr aktiv in vielen Selbstroller-Gruppen der sozialen Medien und dabei stößt mir eins noch heute immer wieder sauer auf. Selber rollen ist echt Arbeit und frisst jede Menge Zeit aber auch Geld, doch viele machen sich diese Arbeit, um am Ende einen 0815 Köder in Händen zu halten. Meiner Meinung nach kann man nur mit hochwertigen Ködern auf lange Sicht erfolgreich sein und nichts Geringeres sollte beim Selberrollen am Ende der Anspruch sein. Der Grund für die Standardköder einiger, ist meiner Meinung nach, dass sich viele Leute im Vorfeld einfach nicht genug mit dem Thema auseinander gesetzt haben. Die Devise lautet: lesen, lesen, lesen!

Der Mehrteiler „Wieso, weshalb, warum“, von Dr. Robert Arlinghaus ist z.B. sehr aufschlussreich und wärmstens zu empfehlen. Einfach drauf losrollen ist da der falsche Weg, wie ich finde.

Die Grundlage einer ausgewogenen Köderzusammenstellung ist ein guter Mixrechner, wie z.B. der vom Projekt Q. Dort sieht man recht schnell, was die einzelnen Zutaten überhaupt im Boilie bewirken.

Ab welcher Menge lohnt es sich überhaupt selbst zu rollen?
In meinen Augen lohnt sich es erst wirklich Boilies selber zu rollen, ab einer Menge von mindestens 50kg aufwärts pro Jahr. Einige fragen sich jetzt sicher, warum? Ganz einfach. Wer in zu geringen Mengen Zutaten einkauft wird nie wirklich kostensparend wirtschaften und das ist schließlich häufig der Grund dafür, dass man beginnt Baits selbst zu rollen. Bei diesen Mindermengen, erachte ich es als sinnvoller, sich einfach hochwertige Kugeln bei namenhaften Herstellern zu kaufen. Man weiß dann zwar trotzdem nicht was genau in den Ködern verarbeitet ist, kann sich aber sicher sein, dass diese Köder Fisch bringen. Über die Jahre haben das einige Buden mit ihren Murmeln unter Beweis gestellt. Kleinere bis mittelgroße Firmen, bei denen man weiß, dass sie von Anglern gegründet und geleitet werden, legen häufig mehr Wert auf Qualität als Großproduzenten aus dem nahen Ausland.
Auch Karsten rollte seine Köder über zehn Jahre selbst, bevor er seine eigene Range auf den Markt brachte. Immer wieder ist er mir durch seine Fänge in den sozialen Netzwerken aufgefallen und so kamen wir schließlich über die „Köder-Fachsimpelei“ ins Gespräch.

Maschinen und Zubehör – Was braucht man wirklich?
Um sich viel Mühe und Ärger zu ersparen, zählen für mich folgende Dinge zur absoluten Grundausstattung:

  • Ein angemessener großer Teigkneter
  • Eine Druckluftgun
  • Verschieden große Rollbretter
  • Ein großer Topf
  • Ein Hockerkocher

Damit sollte man für den Anfang gut gewappnet sein. Wer etwas tiefer in die Tasche greifen möchte, kann sich natürlich auch einen Dämpfer und eine Boiliemaschine kaufen. Aber spart nicht am falschen Ende. Wer billig kauft, kauft zweimal!

Beschaffung der Zutaten – So könnt ihr Geld sparen
Um wirklich Geld zu sparen und trotzdem hochwertige Kugeln zu rollen, rate ich jedem nach Möglichkeit nicht alle Zutaten direkt bei der nächsten Baitbude zu bestellen. Schaut doch einfach mal beim Landhandel um die Ecke oder bei der nächsten Kornmühle in eurer Nähe. Eine weitere Möglichkeit ist es, mit Gleichgesinnten zusammen eine Sammelbestellung aufzugeben. Auch bei eBay bekommt man einige Zutaten deutlich günstiger und oft sogar versandkostenfrei. Die Grundzutaten kann man sich z.B. alle selber mahlen. Es gibt Kornmühlen für um die 150€, mit denen man problemlos auch größere Mengen verarbeiten kann. Das Ganze hat zusätzlich noch den Vorteil, dass man die Körnung von Mais, Pellets,… seinen eigenen Ansprüchen anpassen kann.

Um die Kosten noch mehr zu senken, rate ich euch dazu Sackware zu kaufen, denn mit der Abnahmemenge fällt auch der Preis.

Was gehört nun wirklich rein in einen guten Boilie?
Ich beschränke mich hier auf Zutaten, die ich selbst verrolle und die für mich die Grundlage eines guten Boilies ausmachen. Es gibt einfach zu viele, um hier alle aufzählen zu können. Da entwickelt sowieso jeder früher oder später seine eigenen Vorlieben. Als Grundzutaten verwende ich ausschließlich Weizenkeime, Mais-, Erbsen-, und Reismehl. Diese Zutaten sind sehr günstig zu bekommen, verleihen dem Köder eine gröbere Struktur, sorgen für eine grundlegende Bindung, sorgen durch ihren hohen Kohlenhydratanteil für eine schnellere Verdauung beim Karpfen und liefern zudem noch pflanzliche Proteine.

Tierische Mehle, die ich gerne benutze sind Fischmehl, Fleischmehl, Seidenraupenmehl, Lebermehl, GLM, Rinderleberextrakt und Geflügelprotein. Alle diese Zutaten besitzen nämlich Aminosäuren, die der Karpfen wahrnehmen kann bzw. die seine Rezeptoren ansprechen.

Das und fast ausschließlich das, verleiht dem Köder seine wirkliche Attraktivität! Zudem sind diese natürlich super Proteinlieferanten, aber auch da gibt’s noch viele mehr. Bei der Mixzusammenstellung ist zu beachten, dass einige der Zutaten hoch wasserlöslich sind. Letztlich muss die Bindung stimmen, aber dabei hilft ja dann der Mixrechner. In meinen Augen dürfen auch Milchproteine nicht fehlen. Auch hier sind vor allem die spezifischen Eigenschaften der Löslichkeit, Bindung usw. zu beachten. Ich verwende sehr gerne Acid Casein, Lactalbumin oder Kälbermilchpulver. Dann sollte man neben der guten Bindung und einer ausgewogenen Eiweißstruktur auch immer schauen, dass der Köder gut verdaulich ist. Die oben aufgeführten Weizenkeime sind z.B. auch gut für die Verdauung der Fische sowie sämtliche Gewürze. Zusätzlich bringen diese auch noch Geschmack und kitzeln den Gaumen der Karpfen. Als Härter kommen bei mir Blutmehl, Eggalbumin und Eicompound EP60 zum Einsatz. Auch da ist aber die spezifische Bindung und Löslichkeit des jeweiligen Produktes zu beachten. Dann wären da noch die Attraktoren zu erwähnen. Betain oder Bierhefe verwende ich hauptsächlich. Besonders Bierhefe darf bei mir nie fehlen, da es nicht nur eine günstige Zutat ist, sondern auch ein hervorragendes Aminosäureprofil aufweist. In ihr enthalten sind viele Aminos, die den Karpfen erwiesenermaßen ansprechen, wie z.B. Arginin, Histidin, Lysin, Alanin, Threonin, nur um einige zu nennen. Zusätzlich liefert es auch wertvolles Vitamin B12. Wie ihr seht, ist dieses Thema ziemlich komplex. Also lesen was das Zeug hält! Falls ihr Tipps und Ratschläge braucht dürft ihr euch gerne bei mir melden. Vielleicht kann ich dem einen oder anderen ja noch einen Tipp geben, wie ihr z.B. an günstige Zutaten kommen könnt.

Praxis statt eintönige Theorie
Damit ihr einmal seht, was einen ausgewogenen Köder für mich ausmacht, haue ich abschließend noch meinen „Fisch – Robin Red – Chili Mix“ für euch raus. Ein Köder bei dem man nicht wirklich von einem Fischmehlboilie sprechen kann. Der Anteil im Mix beträgt nämlich nur ca. 20%. Ich fische den Mix das ganze Jahr durch und habe damit schon fantastische Erfolge, im Hochsommer sowie zur kalten Jahreszeit erzielen können. Ein Köder dem ich blind vertraue! Der Boilie ist so aufgebaut, dass er locker 30-72h am Haar hält, je nach Wassertemperatur und Weißfischaktivität. 2017 fischte ich ausschließlich diesen Mix und ich konnte richtig viele gute Fische dank ihm fangen. Der Boiliemix ist zwar für viele sicher nicht der günstigste, aber wie ich anfangs bereits erwähnt habe, sollte es darum beim Selberrollen ja auch nicht gehen. Füttert lieber etwas weniger und verwendet dafür hochwertige Murmeln.
Natürlich kann man aber hier und da noch sparen und hat trotzdem einen fängigen, ausgewogenen Bait. Darum gibt es gleich noch einen Mix oben drauf. Für die Sparfüchse unter euch.

Ich Fische ausschließlich an nährstoffreichen Naturseen, wo der „BOILIE“ in Konkurrenz zu der natürlichen Nahrung steht und da braucht man halt hochwertige Köder und nicht 0815!

Wer mehr über meine Rollerei sehen möchte, dem empfehle ich dieses Video von Karsten und mir auf dem Taste of Nature – Youtubechannel (Release: Freitag 12.04.19)

Ich wünsche euch viel Spaß beim Nachrollen und ebenfalls viele dicke Fische mit diesen Mixen.

Euer Ricardo

Rezepte:

Fisch – Robin Red – Chili (ca. 6-7 Euro/kg)

20% Fischmehl LT65
13% Acid Casein
13% Maismehl
10% Kälbermilchpulver (50% Magermilchanteil)
10% Erbsenmehl
5% Birdfood
5% Robin Red
3% Lactalbumin
3% Rösthanf
3% Bierhefe
3% Geflügelprotein
3% Halibuttpellets „Carper Shit“
3% Chiliflocken
3% Weizenkeime
3% Eicompound EP60

Eigenschaften

43% Protein
29% Kohlenhydrate
12% Fett
3% Rohfaser

67% Bindung
11% Löslichkeit

Einsetzbarkeit: ganzjährig

Sparfuchs –Mix (3-4 Euro/kg)

40% Fischmehl
20% Maismehl
10% Weizenkeime
5% Bierhefe
5% Blutmehl
5% Kälbermilchpulver (50% Magermilchanteil)
5% Soja entfettet
4% Acid Casein
3% Geflügelprotein
3% Eicompound EP60

Eigenschaften

45% Protein
28% Kohlenhydrate
11% Fett
2% Rohfaser

61% Bindung
7% Löslichkeit

Einsetzbarkeit: ab 12°C Wassertemperatur

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